Inge Keller liest Arnold Zweig
Junge Frau von 1914
Inge Keller am 28.11.2006 im Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde Berlin-Pankow Ingeborg-Bachmann-Lesung
Die 85jährige Berliner Schauspielerin Inge Keller, die 1942 im Theater am Kurfürstendamm debütierte und zur Zeit am Berliner Ensemble in „Shakespeares Sonette“ von Robert Wilson und Rufus Wainwright mitspielt, liest in den Tilsiter Lichtspielen aus Arnold Zweigs Roman „Junge Frau von 1914“ (1931) und bringt uns die zeitlos schöne Sprache des Dichters nahe.
Junge Frau von 1914 erzählt eine Liebesgeschichte in der Zeit eines höllischen Krieges - des Ersten Weltkrieges. Der Roman ist der zweite Teil von Zweigs Romanzyklus „Der große Krieg der weißen Männer“, der mit „Der Streit um den Sergeanten Grischa“ begonnen wurde.
Vor genau 40 Jahren spielte Inge Keller in der gleichnamigen DEFA-Verfilmung von Egon Günther die Hauptrolle. Dieser Film ist in Auffassung und Form von avantgardistischer Kühnheit und zählt zu den Highlights der DDR-Fernsehgeschichte.
20:00 UhrJunge Frau von 1914
DDR 1969, Regie: Egon Günther; mit: Inge Keller, Jutta Hoffmann, Martin Flörchinger, Klaus Piontek, Fred Düren
anschliessend Gespräch und open end mit Egon Günther und Inge Keller
Egon Günther am 30.03.2007 im Filmmuseum Potsdam Interview zu "Abschied" (DEFA 1968)
Kinoprogramm Juli 2009
Gran Torino OmU
USA 2008, 116 min
Regie: Clint Eastwood
mit: Clint Eastwood, John Carroll Lynch, Cory Hardrict
Der bislang letzte Film des 79jährigen Clint Eastwood - der ohne Übertreibung größten noch lebenden amerikanischen Kinolegende -, wurde einhellig mit liebevollen, oft wehmütigen Kritiken bedacht, die fast schon Nachrufen glichen. Rentner und Koreakriegsveteran Walt Kowalski hat nur drei Dinge in seinem Leben, die er über alles schätzt: seinen Hund Daisy, sein M1-Gewehr und seinen 1972er Gran Torino. Bis ein schüchterner Teenager, aus Angst vor einer Gang, eines Tages versucht, diesen Gran Torino zu stehlen. Nach und nach beginnt Kowalski, seine ihm verhasste Nachbarschaft mit anderen Augen zu sehen und sich mit dem Jungen anzufreunden.
Das Festmahl im August OmU
Italien 2008, 75 min
Regie: Gianni Di Gregorio
mit: Gianni Di Gregorio, Valeria De Franciscis, Maria Calì
Mitte August in der römischen Sommerhitze. Wer kann, nimmt sich frei und fährt aufs Land oder ans Meer. Nur Gianni nicht, der mit seiner dominanten alten Mutter zusammenlebt und sich um sie kümmert. Da der leicht gealterte Junggeselle nicht Nein sagen kann, hat er es aber plötzlich gleich mit vier alten und auch noch sehr eigensinnigen Damen zu tun. Gianni Di Gregorios Debütfilm ist eine Liebeserklärung an das Alter, das Leben und die italienische Küche, ein charmanter Sommerfilm mit leiser Melancholie.
Contact High
D/Ö 2009, 98 min
Regie: Michael Glawogger
mit: Georg Friedrich, Detlev Buck, Michael Ostrowski, Pia Hierzegger, Raimund Wallisch
Musik: Element of Crime, Calexico, Tiefschwarz u.a.
Max und Johan werden auf einen psychedelischer Drogentrip von Wien ins polnische Drogomysl geschickt – eine Reise, die ihr Bewusstsein erheblich und nicht ohne Schaden erweitern wird. Vom Regisseur von Working Man‘s Death und Slumming kommt diese farbverrauschte, verwechslungsfreudige und schön alberne Drogenkomödie, in der auch Detlef Buck in einer Nebenrolle glänzt.
Solo Sunny
DDR 1979, 104 min
Regie & Drehbuch: Konrad Wolf, Wolfgang Kohlhaase
mit: Renate Krößner, Alexander Lang, Heide Kipp, Klaus Brasch, Dieter Montag
Neben Die Legende von Paul und Paula der große DEFA-Berlinfilm und der letzte Spielfilm von Konrad Wolf, entstanden mit Unterstützung von Wolfgang Kohlhaase. Die wunderbar spröde Sprache und die tolle Hauptdarstellerin machen den Film zeitlos schön. Ingrid ist Sunny, die Schlagersängerin, doch trotz Erfolg auf der Bühne bleibt sie nicht von Reinfällen verschont, doch sie ist die Frau, die sich davon nicht mehr als nötig beeindrucken lässt und im Leben und mit der Musik und mit den Männern zurechtkommen wird: "Ich würde es gern machen. Ich schlafe mit jemandem, wenn es mir Spaß macht. Ich nenne einen Eckenpinkler einen Eckenpinkler. Ich bin die, die bei den Tornados rausgeflogen ist. Ich heiße Sunny.“
Material DF mit engl. UT
Doku, D 2008, 166 min
Regie: Thomas Heise
Die Räumung besetzter Häuser in der Mainzer Straße. Die Massendemonstration auf dem Alexanderplatz im November 1989. Eine Sitzung der neu gewählten Volkskammer, Aufnahmen aus der Strafvollzugseinrichtung Brandenburg, der Angriff von Jugendlichen aus der autonomen Szene auf die Vorführung eines Films. Der Abriss des Palastes der Republik. Und noch viel mehr. Ein spannender Bilderhaufen deutscher Geschichte, kurz vor und noch lange nach der Wende, eine Materialsammlung, die nicht nach Kröpfchen und Töpfchen trennt, sondern von Heise in eine subjektive Ordnung gebracht wurde.
Elektrokohle
Doku, D 2009, 90 min
Regie: Uli M. Schueppel
mit: Einstürzende Neubauten, Heiner Müller
„Kollaps / bis zum Kollaps
nicht viel Zeit
Kollaps / Unsre Irrfahrten
zerstören die Städte
und nächtliches Wandern
macht sie dem Erdboden gleich
Kollaps / alles was ich kriegen
kann / Alles in mich rein
Kollaps / süßer Kollaps
bitter und bitter und bitter“
– Einstürzende Neubauten (1981)
Am 21. Dezember 1989 findet im Wilhelm-Pieck-Saal des VEB Elektrokohle in Lichtenberg ein inzwischen legendäres Konzert statt: Die Einstürzenden Neubauten im tiefsten Osten – und das so kurz nach der Öffnung der Grenze. Heiner Müller u.a. ostdeutsche Kulturgrößen waren auch dabei. 20 Jahre später begleitet der Filmemacher und Neubauten-Freund erneut einige der damaligen Konzertbesucher auf dem Weg zum historisch gewordenen Kulturhaus.
Achtung! Wir kommen.
Und wir kriegen euch alle.
D 2008, 112 min
Regie: Carl G. Hardt
mit: Feeling B, Sandow, Die Skeptiker, Freygang, Inchtabokatables, Blind Passengers, Cultus Ferox
20 Jahre Flüstern und Schreien. Die wohl längste Musikdokumentation der Welt – 20 Jahre (ost)deutsche Musik- und Zeitgeschichte. Fans der DEFA-Dokumentation „flüstern & SCHREIEN“ erleben die geistreichen Sympathieträger des Films – Aljoscha, Paul und Flake, die Band FEELING B – wie sie in der Zeit nach der Stunde Null die „Eskalation der Möglichkeiten“ verkraftet haben.
Die Dreharbeiten begannen im Frühjahr 1990. Drei Jahre dokumentierten der DEFA-Kameramann Steffen Sebastian und der Regisseur Carl G. Hardt das Geschehen im Prenzlauer Berg und Berlin Mitte: Das Besetzen von Häusern wie die Schönhauser 5, den Eimer und Red Pub, das Tachles, das Auflösen und Entstehen von Bands, Konzerte in Thüringen und an der Ostsee, die Aktionen des Piratensenders "Radio P", die Rekonstruktion der Synagoge in der Oranienburgerstrasse.
Aljoscha "Alexander" Rompe – Frontmann der Band Feeling B – war einer der aktivsten Köpfe in dieser aufregenden Zeit und Protagonist während der filmischen Materialsammlung. 1993 entschieden der Aufnahmeleiter des DEFA-Kinofilms "flüstern & SCHREIEN" (1988) Stephan Roeder und der Producer des Filmes Carl G. Hardt – in ihrem Wahnsinn – einen neuen Musikfilm zu produzieren. Nunmehr, nach 20 Jahren aufwendiger Dreharbeiten liegt das Ergebnis vor.
Berlin Calling
D 2008, 109 min
Regie: Hannes Stöhr
mit: Paul Kalkbrenner, Corinna Harfouch
Der Friedrichshainer DJ Paul Kalkbrenner ist Martin Karow ist DJ Ickarus und fliegt von Gig zu Gig, von Stadt zu Stadt und von einem Trip zum nächsten und von da in die Klinik. Psychiaterin Petra Pau (Corinna Harfouch) soll ihn von den Drogen runterbringen und therapieren, doch immer wieder bricht Ickarus die Regeln, flippt aus und feiert seine Exzesse. Toller Film über Drogen, Musik und Rauschzustände, über das Musikbusiness und natürlich über Friedrichshainer Hippness. Die große Entdeckung ist Kalkbrenner, der sich als sehr talentierter Schauspieler erweist und zu Recht ganz im Mittelpunkt des dritten Spielfilmes von Hannes Stöhr (Berlin is in Germany, One Day in Europe) steht.

